forumofac.15: Plädoyer für mehr Zusammenarbeit zwischen Versicherern und Apothekern

Am forumofac.15 vom vergangenen 25. September haben sich über 400 Apotheker und andere Fachpersonen aus dem Gesundheitswesen in der EPFL in Lausanne eingefunden. Spezialisten aus verschiedenen Sektoren haben sich zum Tagesthema «Versicherer – Apotheker: Ansätze für eine Zusammenarbeit im Interesse des Patienten» geäussert. Sie alle leisten auf ihre Weise einen Beitrag an ein kostengünstigeres und stärker auf Zusammenarbeit ausgerichtetes Gesundheitssystem.

Der Generaldirektor, Dr. Mario Magada, erinnerte das Publikum in seiner Eröffnungsrede daran, wie wichtig eine erfolgreiche Zusammenarbeit mit den Versicherungen als selbstverständliche Partner des Apothekers ist. Er informierte exklusiv über die Unterzeichnung neuartiger Partnerschaften mit der Supra (Groupe Mutuel) und der CSS Versicherung, die sich künftig auf weitere Versicherer ausweiten und so die Rolle des Apothekers stärken könnten (mehr dazu: Aussichtsreiche Partnerschaften mit den Versicherungen).

Als nächstes trat Prof. Olivier Bugnon, ein grosser Spezialist der Offizinpharmazie, auf die Bühne. Er thematisierte den wirtschaftlichen Beitrag des Apothekers in der Behandlung chronischer Krankheiten. Als Beispiel nahm er die von der Gesellschaft SISPha (die unlängst einen Zusammenarbeitsvertrag mit Ofac unterzeichnet hat) entworfenen SISCare-Programme, die sich als Modell für die ambulante Begleitung chronisch kranker Patienten anbieten. Diese interdisziplinären Programme zeigen laut Prof. Bugnon, dass der Offizinapotheker die nötigen Qualitäten besitzt, um die Position eines wichtigen Akteurs im Gesundheitswesen einzunehmen, indem er Mut zur Innovation, interdisziplinären Zusammenarbeit und zu individuellen Beziehungen zu den Patienten zeigt.

Natürlich wurde auch den Versicherern eine Stimme gegeben, um ihre Gesichtspunkte darzulegen. Yves Seydoux, Mediensprecher der Groupe Mutuel, betrat als Verfechter von Preissenkungen das Podium. Er stellte die in seinem Unternehmen entwickelten Initiativen zur Senkung der Kosten für die Bearbeitung eines Schadenfalls vor, insbesondere Kontrollprogramme von Rechnungen, die sich bewährt haben. Hierbei wies er auf die gute Qualität der von den Apothekern gelieferten Rechnungen hin.

Felix Roth, Vertreter von santésuisse, wählte einen etwas anderen Blickwinkel und sprach das heikle Problem der Qualität der Pflegeleistungen an. Ihm zufolge ist der Wettbewerb im Gesundheitswesen der Schlüssel zum Erfolg, denn er fördert sowohl die Qualität der Pflegeleistungen als auch die Kostenreduzierung. Der Wettbewerb beruht jedoch auf zwei wichtigen Bedingungen: Die Bereitstellung von transparenten und vergleichbaren Daten zu den Behandlungsresultaten der Leistungserbringer – heute noch nicht der Fall – sowie die Einführung effizienter Sanktionen gegen Leistungserbringer, die sich nicht an den vorgesehenen Verbesserungsmassnahmen beteiligen.

Der Präsident von pharmaSuisse, Fabian Vaucher hat nicht überraschend als Antwort an santésuisse mit beweiskräftigen Zahlen die Berührungspunkte zwischen Apothekern und Krankenversicherern aufgezeigt. Er hob besonders die wichtige Triage-Rolle des Apothekers in der Abfolge der Pflegeleistungen hervor, die den Versicherungen zugutekommt und die Gesundheitskosten reduziert, wie dies einige neue Versicherungsmodelle veranschaulichen.

Pierre-Yves Maillard, Staatsrat und Waadtländer Regierungspräsident, stellte die laufenden Projekte in seinem Kanton vor. Im gleichen Zug erwähnte er die entstehende Partnerschaft mit Ofac zur Vereinfachung der Medikamentenvergütung für Versicherte mit Prämienverbilligungen, die bei einer Versicherung mit Tiers-garant-System sind.

Nach den Vorträgen versammelten sich die meisten Redner des Tages in einer Diskussionsrunde, zu der sich der Nationalrat und Präsident der Gesundheitskommission Guy Parmelin (SVP) gesellte, und diskutierten über die im Verlauf des Tages vorgebrachten Ideen.

Abgerundet wurde das Forum anschliessend durch einen aussergewöhnlichen Vortrag der rechtsgelehrten Tessinerin Carla Del Ponte, der ehemaligen Chefanklägerin beim Internationalen Strafgerichtshof der UNO. So mancher Zuhörer, der vielleicht mit einem eiskalten Bericht über die Verfolgung von Kriegsverbrechern gerechnet hatte, wurde von einer mal humorvollen, mal emotionsgeladenen Lektion über Mut und Beharrlichkeit überrascht. Die geladenen Gäste erhielten später Gelegenheit, sich beim Abendessen des traditionellen Mitgliederabends im Olympischen Museum in Lausanne weiter auszutauschen.

Nächstes Jahr wird das elfte forumofac, das grosse Schweizer Apothekertreffen, erstmals im Tessin stattfinden.

Die Fotos des Tages sind unter http://www.forum.ofac.ch/de/home.html verfügbar.